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DEUTSCH SEIN HEISST SCHWEIN ESSEN – echt jetzt?

DEUTSCH SEIN HEISST SCHWEIN ESSEN – echt jetzt?

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

habt ihr auch Angst um euer Schnitzel? Dass euren Kindern ihre tägliche Fleischwurst genommen wird? Eure Schweinshaxe vom Aussterben bedroht ist? Und alles wegen der Islamisierung?

Dann seid ihr leider einem Märchen aufgesessen.

Ein Märchen, das uns jetzt auch die Wiesbadener AfD erzählen möchte – auch wenn sie sich sonst so sehr um ihr „bürgerliches“ Renommee sorgt. Sie kann es sich offensichtlich nicht mehr leisten, sich aus den immer aggressiver werdenden Kampagnen der Bundespartei herauszuhalten. Denn für eine Mobilisierung ihrer Anhängerschaft braucht die AfD eine rassistische Grundstimmung, und die muss sie immerwährend neu erzeugen.

„Leitkultur Schweinemast“ – Ja, habt ihr sie noch alle?

Das „Schweinefleisch-Märchen“ gehört neben dem jährlichen „Lichterfest-Aufschrei“ zu den beliebtesten Märchen, wenn es darum geht, den Bürgern Angst einzujagen und sie in die Arme einer rechtsextremen Partei zu jagen.

Bild könnte enthalten: Text und EssenDieses Märchen erzählt: Es habe einmal ein rechtschaffenes und christliches Deutschland gegeben. Dieses Deutschland drohe nun, ein muslimisches Land zu werden. Die Minderheit der Muslime würde bald zur Mehrheit werden. Dann gelte nur noch islamisches Recht und der arme Deutsche darf kein Schwein mehr essen.

Warum wird das Märchen so gerne geglaubt?

  • Islamfeindlichkeit ist in Deutschland recht weit verbreitet. So stimmen in der Studie „Enthemmte Mitte“ 41,4 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“. Sogar 50 Prozent fanden: „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“.
  • Entsprechend setzen Menschen, gerade wenn sie keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, den Islam mit islamistischem Extremismus gleich und stellen islamische Kultur als angeblich unvereinbar mit Demokratie und Menschenrechten dar.
  • Das liegt auch daran, dass viele Medien den Islam vor allem thematisieren, wenn sie über Probleme berichten. Dass die meisten Muslime in Deutschland in völligen Einklang mit Demokratie und Menschenrechten und den darin verkörperten Werten seit vielen Jahrzehnten leben, wird weniger wahrgenommen.

Das Märchen und seine Folgen

  • Die Darstellung “des Islam” und “der Muslime” in ihrer Gesamtheit als „fremd“ oder sogar feindlich und aggressiv gegenüber der Demokratie schürt Ängste vor einem angeblichen Angriff auf eine deutsche Identität oder deutsche Kultur und Angst vor einem Verlust von Freiheitsrechten. Dabei gibt es “den Islam” nicht, sondern auch hier existieren – wie in allen Religionsgemeinschaften – moderne bis fundamentalistische Strömungen. Die AfD spricht im Übrigen damit auch deutschen Moslems das Recht ab, ihren Glauben auszuleben.
  • Aus Islamfeindlichkeit entstehen Abwertung, Hass und auch Gewalt, vor allem gegenüber Menschen, die im Alltag als Muslime sichtbar sind oder als solche wahrgenommen werden.
  • Die Erfahrung von Islamfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus durch die Mehrheitsgesellschaft kann gerade Jugendliche schlimmstenfalls dazu motivieren, sich auf der Suche nach Identität radikalen islamistischen Gruppen anzuschließen.

Was hilft gegen Gift? Fakten, Fakten, Fakten

  • Laut einer Hochrechnung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge lebten Ende 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime in Deutschland – bei 82,2 Millionen Einwohner_innen ein Anteil von 5,4 bis 5,7 Prozent. Das Pew Research Center, ein anerkanntes Meinungsforschungsinstitut in Washington, kommt für das Jahr 2050 auf einen möglichen Bevölkerungsanteil von 9,4 bis zehn Prozent Muslime – immer noch eine Minderheit.
  • Der Großteil der Muslime, die in Deutschland leben, fordern keinen Umbau der Gesellschaft nach islamischen Regeln, sondern nur, ihre Religion hier ausüben zu dürfen – ohne dabei andere Religionen oder konfessionslose Menschen einschränken zu wollen.
  • Die “Islamisierungs-These” wird gerne mit Alltagsbeispielen illustriert, die eine wie auch immer definierte “deutsche Kultur” allenfalls ergänzen, nicht ersetzen. Warum eine Kultur „bedroht“ sein soll, wenn es Kantinen-Essen mit und ohne Schweinefleisch gibt oder Kindergärten mit und ohne Weihnachtsfeiern, bleibt dabei unklar.
  • Der Verfassungsschutzbericht 2016 spricht von rund 24.400 Personen in Deutschland, die islamistische Überzeugungen vertreten. Wirkliche Gefahren für die Demokratie, wie islamistischer und salafistischer Extremismus bis hin zu dschihadistischem Terrorismus, müssen inhaltlich mit Präventionsarbeit bearbeitet und wenn nötig strafrechtlich verfolgt werden – wie beim Rechtsextremismus auch.

AfD, NPD, Identitäre Bewegung und wie sie alle heißen wird das herzlich wenig interessieren. Mit Vernunft, Analyse und reflektiertem Handeln lässt sich ihr Geschäft schlecht betreiben.

Warten wir deshalb auf die nächste doofe AfD-Kampagne, wenn die nächste Sau durchs Dorf gejagt wird. Wetten werden gerne entgegengenommen. Wir tippen mal auf: „Frühsexualisierung in Wiesbadens Kindergärten? – Gegen irren Genderwahn!“

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