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Monatsarchiv Juni 2018

Anmerkungen zu „Widerstand der Vernunft“

Anmerkungen zu ausgewählten Aspekten aus Susan Neimans Aufruf „Widerstand der Vernunft – ein Manifest in postfaktischen Zeiten“. Von Georg Habs, Wiesbaden, 25. Juni 2018.

Susan Neiman plädiert für einen Widerstand der Vernunft.

Vernunft schraubt Ansprüche nicht im Sinne eines „Jetzt mach doch mal halblang“ herunter. Vernunft hält Ansprüche hoch. Vernunft hinterfragt Vorurteile und Denkgewohnheiten. Vernunft klagt belastbare Belege für Behauptungen ein. Vernunft begründet Handlungsideale und Werte.

Vernunft wird von vielen Seiten seit langem in Misskredit gebracht –  als interesse-geleitetes Ideen- und Macht-Konstrukt denunziert, als „Lug und Trug“ verhöhnt.

Tatsächlich entspricht die Lebenswirklichkeit in vielerlei Hinsicht nicht unseren Gerechtigkeitsvorstellungen und Vernunftidealen – zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Das treibt manche zur Verzweiflung, zu Zynismus, zur Relativierung und letztlich zur Preisgabe ihrer Werte, in ohnmächtige Unterwerfung.

JA Wiesbaden feiert extrem rechten Straftäter

Tommy Robinson ist die neue „Freiheitsikone“ der europäischen extremen Rechten. Ob auf der AfD-Demonstration in Berlin, bei Pegida-Aufmärschen in Dresden oder in den sozialen Medien wie etwa auf der Facebook-Seite der Jungen Alternativen Wiesbaden: Die Forderung #FreeTommy ist allgegenwärtig.

Der angebliche „Journalist“ soll eine 13-monatige Haftstrafe antreten, weil er „ein unbequemer politischer Gegner” sei und kritisch über einen Kindesmissbrauch berichtet habe, an dem muslimischen Einwanderer beteiligt gewesen sein sollen. Für AfD, Identitäre Bewegung und andere rechtsextreme Gruppen ist das Beweis genug für eine angeblich politische Willkürjustiz und linken „Meinungstotalitarismus“. Das ist der Fall Robinson natürlich nicht, aber er zeigt einmal mehr, wie die AfD Lügen verbreitet und sich zu Eigen macht sowie welch merkwürdiges Rechtsverständnis sie hat.

Wer ist Tommy Robinson eigentlich?

Schwarzbuch AfD – mit Marcus Bensmann, correctiv.org

Transskript der Veranstaltung

der Wiesbadener Initiative Moment mal! Aktion für eine offene Gesellschaft

vom 6. Juni 2018

 

mit Marcus Bensmann (correctiv.org)

„Guten Abend!

Schön, dass so viele gekommen sind. Mein Name ist Marcus Bensmann, ich bin Reporter des ersten gemeinnützigen Recherchezentrums in Deutschland. In den USA ist der gemeinnützige Journalismus weiter verbreitet, hier in Deutschland war Correctiv 2014 der erste Versuch neben den öffentlich-rechtlichen und den privat finanzierten Medien eine dritte Säule zu etablieren, um so für den von der Tagesaktualität gejagten Journalismus finanzielle Räume, Zeiträume und Formate für langfristige Recherchen zu schaffen.

Bevor ich anfange, wollte ich einfach mal fragen: Sitzen hier im Publikum hauptsächlich Menschen, die die AfD mit Sorge betrachten? Oder – Sie müssen jetzt auch nicht mit dem Finger aufzeigen –  gibt es hier auch Männer oder Frauen, die schon mal überlegt haben, die AfD zu wählen oder die sie schon gewählt haben? Es würde mich einfach mal interessieren. (Ein am Rand stehender junger Mann, der während der Veranstaltung durch häufiges Reden mit seinem Nachbarn auffallen wird und der die Veranstaltung auch frühzeitig verlässt, hebt die Hand. Außerdem ein Zuruf aus dem Publikum: „Die Mitarbeiterin der Fraktionsgeschäftsstelle ist auch da.“). Ah ja, ok, sie sind Mitarbeiterin der Geschäftsstelle, sehr gut. Dann sind die Rollen im Publikum klar verteilt.